Erfolgreicher Technologietransfer im Fokus fünften Plenarsitzung des Arbeitskreises Energie und Transformation. Im Kontext des aktuellen Strukturwandels stehen ehemalige Kohleregionen wie das Rheinland vor großen Herausforderungen. Nicht nur müssen sie sich hinsichtlich ihrer eigenen Energieversorgung neu aufstellen, mit dem Ausstieg aus der Kohle wird auch die Erschließung neuer, zukunftsfester Wertschöpfungsfelder notwendig. Während die Eigenversorgung mit klassischer Solar- und Windenergie aufgrund natürlicher Gegebenheiten limitiert bleibt, bietet die starke Forschungs- und Hochschullandschaft der Region ein erhebliches Potenzial zur Entwicklung exportfähiger Schlüsseltechnologien für die globale Energiewende.
Ein Beispiel für eine Nischeninnovation mit globalem Upscalingpotenzial stand im Zentrum der fünften Plenarsitzung des Arbeitskreises Energie und Transformation: Das Solarturmkraftwerk Jülich. Die solarthermische Versuchsanlage wurde gemeinschaftlich vom Solar-Institut der FH Aachen und dem DLR-Institut für Solarforschung entwickelt und fungiert seit ihrer Inbetriebnahme als Forschungs- und Demonstrationsplattform für innovative Hochtemperatur-Solarkonzepte. Trotz ihrer Einordnung als Nischentechnologie wird Solarthermie künftig voraussichtlich einen festen Platz im globalen Energiemix einnehmen. Expertenschätzungen zufolge könnte sie perspektivisch bis zu fünf Prozent des weltweiten Strombedarfs decken. Darüber hinaus eröffnen sich durch die steig steigenden CO2-Preise perspektivisch im Bereich der sogenannten Solarfuels – also der solaren Herstellung synthetischer Kraftstoffe für schwer elektrifizierbare Sektoren wie die Luftfahrt – hohe Marktpotenziale.
Daher besuchten die Arbeitskreismitglieder nicht nur das solarthermische Kraftwerk auf dem Gelände des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, sondern auch die benachbarte Produktionsanlage der Synhelion Germany GmbH, die auf Grundlage der am Standort Jülich entwickelten Technologie solar erzeugte Treibstoffe zur Marktreife bringt. Im Anschluss eröffnete der Geschäftsführer Bodo Middeldorf die Arbeitskreissitzung in den Räumlichkeiten der Zukunftsagentur Rheinisches Revier im Herzen des Brainergy Parks. Vor dem Hintergrund aktueller politischer Entwicklungen auf Bundesebene hob er dabei die Bedeutung der Kooperation regionaler Verbünde für die Interessenvertretung der Region hervor.
Durch die Impulsvorträge und Diskussionen vor Ort wurde deutlich: Solarthermische Anlagen wie das Solartrumkraftwerk Jülich haben das Potenzial, zum industriellen Maßstab weiterentwickelt zu werden – insbesondere in Regionen mit hoher direkter Sonneneinstrahlung, etwa in Südeuropa, Nordafrika oder Australien. Gleichzeitig entstehen durch ihre technologische Erprobung und Weiterentwicklung im Rheinland konkrete regionale Wertschöpfungseffekte. So etwa mit der Ausgründung der Synhelion Germany GmbH. Die Kooperation steht exemplarisch für die erfolgreiche Brücke zwischen regionaler Spitzenforschung und industrieller Anwendung und führt wiederum zu neuen Ideen und Impulsen, wie der Umrüstung von fossilen Braunkohlekraftwerken zu sogenannten Wärmespeicherkraftwerken im Rheinischen Revier.
Fazit der Sitzung: Effektiver Forschungstransfer ist eine zentrale Grundlage für die Erschließung von neuen Wertschöpfungsfeldern in forschungs- und innovationsstarke Regionen wie dem Rheinland. Gerade im Bereich solarthermischer Anwendungen kann das Rheinland als Ideengeber für globale Märkte auftreten – vorausgesetzt, Forschung, Industrie und Politik arbeiten entschlossen Hand in Hand.
Wir danken dem Team des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, der Synhelion Deutschland GmbH und der Zukunftsagentur Rheinisches Revier für die spannenden Einblicke und die Gastfreundschaft!